| GALERIE |
... einer ausschnitthaften fotografischen Wiedergabe eines Teils der Erdoberfläche. Wenn Watteler von Landschaften spricht, dann fügt er sehr bald das Wort Struktur an. Es interessieren ihn die Detailformen, die Emotionen anstoßen, freisetzen, die Rückschlüsse auf die Menschen zulassen, die diese Landschaften als Kulturlandschaften gestalteten. Im Kontext der großen Linien wie Horizonte, Feldbegrenzungen u.a. ist das Detail für ihn wichtig. Details sind es schließlich, die in uns, dem Betrachter, die Assoziationen wachrufen, die die Bilder für uns so persönlich, so wertvoll machen. Details sind die Sensoren, die beruhigen, die aufwühlen, die Träume anstoßen, Sehnsüchte wecken, Erinnerungen aktivieren können. Auf dieser Klaviatur ist Ludwig Watteler ein Virtuose. Und er schöpft dabei die ganze Palette der Begriff von Teildisziplinen aus. Er betrachtet Landschaft mit den Augen des geographen und spielt mit geologisch morphologischen Phänomenen wie relief, Kontur, Silhouette, klinalen und synklinalen Formen wie Hügel und Formen. Er verspannt und betont in seinen Bildern die Grenzbereiche zwischen Kultur und Ödland, gespurte Äcker kontrastieren zu sanften, amorphen Weiden- und Wiesenflächen. Dörfer, Gehöfte, Behausungen stehen im Gegensatz zur Weite der Feldflur, der Wälder. Was an sich sehr ruhig und beständig wirkt, trägt aber meist im Zentrum der Bildaussage einen Hinweis auf das Flüchtige, vergängliche, sich stets Veränderbare.Es ist immer auch der Augenblick, der ach so schöne, dem keine Ewigkeit vergönnt ist, der von Ludwig Watteler beschrieben, festgehalten wird. Ludwig Watteler schafft Landschaftsbilder genau so präzise auch im Kontext mathematischer Begrifflichkeit, und raffiniert und gekonnt verwendet er die Parameter der darstellenden Geometrie wie die Phänomene der Symmetrie, die Parallelität von Linien, sezierende Diagonalen, sich schneidende, fallende, steigende Geraden, Bündelungen als Bildmittel. Dabei erweisen sich die Bildformate, das gestreckte Rechteck, das quadratische Feld als Hilfsmittel, die Eindrücke der Betrachter zu verstärken. Und schließlich nimmt Watteler Landschaften unter dem Aspekt grafischer Determinanten auf. Sicher und gezielt wird mit räumlicher Tiefe, Vorder- und Hintergrund, dem Hell- und Dunkelkontrast, der Staffelung von Grenzwerten gearbeitet. Wer so als Fotograf vorgeht, kalkuliert, bevor er auf den Auslöser drückt, seinen Standpunkt im Gelände, sucht ihn sicher oft mühsam. Er entscheidet sich im vorhinein schon für ein Format, einen Ausschnitt, nimmt die Endfassung eines Bildes gedanklich vorweg. Ludwig Watteler hat mir gestanden: „Ich schiesse keine Serien und suche mir dann das Passende aus. Ich suche, finde und halte fest.“ So wird das Rohmaterial, dem schon eine hohe künstlerische Authentizität anhaftet, auch nicht mehr im Labor manipuliert. Der Künstler erlaubt sich, einzig das Format zu bestimmen, pointierter Aussage wegen. So erfindet Ludwig Watteler Bildwelten, die offen sind für die vielfältigen Emotionen der Betrachter. Dabei ist das Motiv bei Wattelers Fotografie auch eine Falle. Das Motiv hat dabei-streng betrachtet-nur sekundäre Bedeutung. Wichtig ist die Bildwerdung die sich im Betrachter vollzieht. Ludwig Watteler schafft Landschaften jenseits dokumentarischer Bestandsaufnahmen, die nicht Zeugnisse für einen Moment in der Vergangenheit sind, sondern Auslöser aktueller Seherlebnisse. Walter Jansen, Düsseldorf |